Probiotika, Pflanzenstoffe & Co. – keine RDA, dennoch relevant
Für sekundäre Pflanzenstoffe oder Probiotika gibt es bislang keine offiziellen Zufuhrempfehlungen. Die Datenlage aus Interventionsstudien reicht noch nicht aus, um präzise Richtwerte zu definieren. Dennoch gelten diese Stoffe als potenziell gesundheitsfördernd – eine Überdosierung über natürliche Lebensmittel ist laut DGE als unwahrscheinlich einzustufen.

Überdosierung: Wenn mehr nicht mehr bringt
Ein häufiger Denkfehler bei Supplementen lautet: Mehr ist besser. Doch die Forschung zeigt, dass das Gegenteil der Fall sein kann:
- Vitamin E: Hohe Dosierungen (über 200–300 mg/Tag) können das Risiko für Hirnblutungen erhöhen (z. B. Schürks et al., 2010; Miller et al., 2005).
- Zink: Eine langfristig zu hohe Zufuhr kann Kupfermangel und eine beeinträchtigte Immunfunktion begünstigen.
- Vitamin B12: Sehr hohe Dosierungen gelten zwar als sicher, werden in Beobachtungsstudien jedoch mit möglichen unerwünschten Effekten in Verbindung gebracht (Fanidi et al., 2017).
- Vitamin C: Mengen über 2.000 mg/Tag können Durchfall oder Nierensteine begünstigen. Bis 1.000 mg/Tag aus Supplementen gelten als unbedenklich.
Diese Beispiele zeigen: Auch Mikronährstoffe sind keine harmlosen Alleskönner – ihre Wirkung ist dosisabhängig, und zu viel kann ebenso problematisch sein wie zu wenig.
Qualität, Bedarf und Maß. Darauf kommt es an
Kleinere, gezielt eingesetzte Dosierungen von Mikronährstoffen genügen in der Regel, um den Körper wirksam zu unterstützen – ohne ihn unnötig zu belasten. Wissenschaftlich fundierte Referenzwerte wie RDA und UL zeigen klar: Der tägliche Bedarf lässt sich oft schon durch geringe Mengen decken – vor allem, wenn die Ernährung bereits einen Teil beiträgt.
Mehr ist in den meisten Fällen nicht besser: Zwar kann eine moderate Supplementierung – etwa mit Vitamin C, E oder Zink – in bestimmten Situationen sinnvoll sein. Doch hohe Dosierungen bieten kaum zusätzlichen Nutzen und können sogar schaden. Studien zeigen, dass Multivitaminpräparate in Überdosis nicht nur wenig zur Krankheitsprävention beitragen, sondern im Einzelfall sogar Risiken bergen können (USPSTF, 2022).
Die gezielte Ergänzung im Rahmen empfohlener Tagesmengen ist daher in vielen Fällen der sinnvollere Weg - effizient, sicher und dem individuellen Bedarf angepasst.

Neben Vitaminen und Mineralstoffen – Worauf sollte ich noch Acht geben? 4 kurze Orientierungshilfen:
Viele Greens-Produkte enthalten nicht nur klassische Vitamine und Mineralstoffe, sondern auch eine Vielzahl sogenannter „funktioneller“ Inhaltsstoffe – von Adaptogenen über Algen bis hin zu Ballaststoffen und Probiotika. Diese Zusätze sollen den gesundheitlichen Mehrwert erhöhen. Doch bei aller Innovationsfreude gilt auch hier: Nicht alles, was in kleinen Dosen sinnvoll sein kann, ist in hoher Konzentration automatisch unbedenklich.
1. Adaptogene – beliebt, aber noch nicht eindeutig belegt
Adaptogene wie Ashwagandha oder Rhodiola sollen die Stressresistenz unterstützen (Panossian & Wikman, 2010). Die Studienlage ist jedoch uneinheitlich und die Langzeitverträglichkeit nicht abschließend geklärt. Das BfR empfiehlt daher insbesondere bei Medikamenteneinnahme oder bestehenden Erkrankungen Vorsicht.
2. Spirulina – Superfood mit Qualitätsunterschieden
Spirulina liefert wertvolle Nährstoffe, kann jedoch je nach Herstellung mit Schwermetallen oder Toxinen belastet sein. Auch Herkunft und Reinheit unterscheiden sich deutlich. Deshalb sollte auf hochwertige und geprüfte Produkte geachtet werden. Ähnliches gilt für Chlorella.
3. Inulin – nicht für jeden gut verträglich
Inulin ist ein präbiotischer Ballaststoff, der die Darmflora fördern kann. Bei empfindlichen Personen, etwa mit Reizdarm, kann er jedoch Blähungen oder Bauchbeschwerden verursachen.
4. Probiotika – Vielfalt statt Höchstdosierung
Bei Probiotika ist nicht die höchste Dosierung entscheidend, sondern die Auswahl der Bakterienstämme. Eine möglichst vielfältige Kombination unterschiedlicher Kulturen kann eine gesunde Darmflora besser unterstützen als hohe Mengen einzelner Stämme.
Fazit: Nicht jeder Zusatzstoff ist per se „gut“
Greens-Produkte enthalten oft eine Vielzahl funktioneller Inhaltsstoffe, die mehr können als „nur Vitamine liefern“. Doch gerade bei wenig erforschten Substanzen wie Adaptogenen, Mikroalgen ist eine kritische Prüfung unerlässlich. Bei präbiotischen Ballaststoffen gibt es Unterschiede in der Verträglichkeit. Qualität, Herkunft, Dosierung – und die individuellen gesundheitlichen Bedürfnisse sind zentrale Faktoren für die Wirkung.
Literatur
Fanidi, A., et al. (2017). Vitamin B12, smoking and lung cancer risk in men and women. American Journal of Clinical Nutrition, 107(6), 992–998. https://doi.org/10.3945/ajcn.116.151027
Miller, E. R., et al. (2005). Meta-analysis: high-dosage vitamin E supplementation may increase all-cause mortality. Annals of Internal Medicine, 142(1), 37–46. https://doi.org/10.7326/0003-4819-142-1-200501040-00110
Panossian, A., & Wikman, G. (2010). Effects of adaptogens on the central nervous system and the molecular mechanisms associated with their stress—protective activity. Phytomedicine, 17(9–10), 783–793. https://doi.org/10.1016/j.phymed.2010.04.005
Schürks, M., et al. (2010). Effects of vitamin E on stroke subtypes: meta-analysis of randomised controlled trials. BMJ, 341, c5702. https://doi.org/10.1136/bmj.c5702
US Preventive Services Task Force (USPSTF). (2022). Vitamin, mineral, and multivitamin supplementation to prevent cardiovascular disease and cancer: US Preventive Services Task Force recommendation statement. JAMA, 327(23), 2326–2336. https://doi.org/10.1001/jama.2022.8970



Share:
Greens: Was steckt wirklich in den grünen Superfoods?
Die besten Greens finden: Was Vital1 Greens von anderen Greens-Produkten unterscheidet